Logo Platzprofessor Logo Myplace SelfStorage

Interview: Aus Platz wird Raum – die Entstehung eines lebendigen Stadtviertels in München

15. Februar 2017
Platzprofessor Redaktionsteam
Wohnen & Leben
Stadt & Architektur

Auf einem ehemaligen Münchner Gewerbe- und Industrieareal entsteht auf rund 40 Hektar ein neues Stadtviertel zum Wohnen und Arbeiten, für Freizeit und Kultur. Markus Wiegand, Sprecher der OTEC KG, die das Projekt vorantreibt, spricht über das Projekt „Werksviertel“ in München. Er erklärt wie sich aus einer einst brachen Fläche, ein lebendiges Stadtviertel entwickelt.

Was ist das Werksviertel?

Das Werksviertel ist ein Stadtquartier, in dem Urbanität vollkommen neu definiert wird. Es entsteht auf einem ehemaligen Industrieareal, wobei die meisten der alten Industriegebäude saniert und in neuer Funktion in das Viertel integriert werden. Die Besonderheit des neuen Werksviertels sind die unterschiedlichen Kunst- und Kreativ-Szenen, die hier ganz bewusst angesiedelt werden. Die Münchner Startup- und Gründerszene findet hier günstige Büroräume, es gibt subventionierte Ateliers für Künstler, Proberäume für Musiker, sogar Live-Bühnen zum Auftreten. Zahlreiche Veranstaltungs-, Kommunikations- und Medienagenturen sind ebenfalls im Werksviertel zuhause. Später werden darüber hinaus ein Hostel, Hotels und mehr als 1000 Wohnungen entstehen.

Wie wird aus viel „Platz“ ein lebendiges Stadtviertel?

Durch Offenheit. Unser Ziel ist es, dass jeder, der ins Werksviertel kommt, hier einen Ort findet, an dem er sich wohlfühlt – ganz unabhängig davon, wieviel Geld er in der Tasche hat. Der Kunstinteressierte ebenso wie der Partygänger, der Nerd ebenso wie der Agentur-Chef, der Backpacker ebenso wie die Besucher des neuen Konzerthauses, das ebenfalls im Werksviertel entstehen wird. Wir wollen ein möglichst vielseitiges, qualitativ spannendes Angebot kreieren, da man nur durch die Begegnung mit andersdenkenden Menschen inspiriert wird, lernen und sich im besten Fall weiter entwickeln kann.

Spannend ist auch die neue Pop-up-City aus alten Schiffscontainern. Container benutzt man ja eigentlich zum Lagern von Gegenständen. Wie sollen diese das Stadtviertel bereichern, und warum überhaupt Container?

Sie meinen das Container Kollektiv. Die Schiffscontainer spiegeln ein wenig die Geschichte des Werksviertels wider: Die zahlreichen alten Fabrikgebäude, die heute als Restaurant, Konzerthalle, Künstlerateliers, Clubs oder als moderne Büros genutzt werden, wurden nicht abgerissen, sondern haben sich neu erfunden. Bei den Schiffscontainern ist es ähnlich. Sie hatten ursprünglich eine andere Funktion als Lagerraum für Waren und Güter. Jetzt entstehen in ihnen aber eine Cocktail-Mix-Schule, eine Sendestation für ein Radio oder ein Musikstudio. Und das funktioniert sehr gut. Vielleicht ist diese inhaltliche Transformation der Container und Gebäude auf dem Gelände auch Vorbild und Inspiration für den einen oder anderen Besucher des Werksviertels, selbst auch etwas Neues zu wagen und nicht immer im alten Trott zu verharren.

In einem Container befindet sich eine Hobbywerkstatt. Warum treibt es Hobby-Heimwerker aufs Werksviertel?

Die Idee zu unserer Zukunftswerkstatt, entstand aus der WerkBox3. Dieses Projekt betreibt ein „RepairCafé“ für Haushaltsgeräte und eine „BikeKitchen“ auf unserem Gelände. In der Zukunftswerkstatt geben findige Handwerker scheinbar alten und nutzlos gewordenen Dingen eine neue Zukunft. Das ist ganz im Sinne des Werksviertels.

Wieviel Platz braucht der Mensch in der Stadt?

Es geht weniger um Quantität als um Qualität. In neu entwickelten Stadtquartieren gibt es oft riesige Freiflächen, auf denen dann jedoch nichts passiert. Sie sind leer. Dort ist niemand. „Platz haben“ ist erstmal kein Qualitätskriterium an sich. Entscheidend ist immer, was man mit dem Platz, der einem zur Verfügung steht, anstellt.

Auf dem Gelände des Werksviertels soll auch das neue Münchner Konzerthaus entstehen. Wie passen Industrie- und Gewerbebauten mit Hochkultur zusammen?

Ganz ausgezeichnet. Von den alten Industriegebäuden ist im Werksviertel nur der formgebende Rahmen geblieben. Inhaltlich sind es keine Industriegebäude mehr. Stattdessen existiert schon jetzt mit zahlreichen Clubs, der TonHalle und dem Technikum eine starke Musikszene im Werksviertel. In Zukunft soll es einen Veranstaltungsplatz und weitere Open-Air-Bereiche geben. Das wird das Bayerische Symphonieorchester, das mit dem Neubau der Philharmonie ins Werksviertel zieht, zusätzlich bereichern. Das Orchester wird vom neuen Standort aber auch selbst profitieren. Bei ersten Klassikveranstaltungen im Werksviertel wurde ganz schnell deutlich, dass klassische Musik auch einem jüngeren Publikum noch sehr viel zu sagen hat. Die Musiker des Orchesters freuen sich jedenfalls schon auf das Nebeneinander und den Austausch von Sub- und Hochkultur. Da werden sicher ein paar spannende Projekte entstehen, die die klassische Musik in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Wann ist das Projekt fertig?

Hoffentlich nie. „Fertig sein“ bedeutet ja, dass nichts Neues mehr im Werksviertel entsteht. Natürlich werden wir in ein paar Jahren nicht mehr so viel bauen wie jetzt, aber dennoch soll das Werksviertel auch dann seine Besucher und die Bewohner immer wieder neu überraschen.

Zur Website des Werksviertel-Mitte

Zur Facebook-Seite des Werksviertel-Mitte

Platzprofessor Redaktionsteam

Das Redaktionsteam hinter dem Platzprofessor recherchiert laufend aktuelle Trends und Themen rund um das Thema Platz. Die RedakteurInnen sind immer auf der Suche nach spannenden Projekten und Beiträgen, die als Link-Tipp auf dem Platzprofessor veröffentlicht werden, initiieren Gastbeiträge und verfassen Artikel zu ausgewählten Themen.

Kommentar hinzufügen